Greenwashing: pfui oder doch hui?

28.01.21 | Kommentar

Grün, grün, grün sind alle – oder tun sie nur so? Bekennt sich ein Unternehmen plakativ oder verhalten dazu, dass es klimafreundlicher handeln will, riskiert es nicht selten die öffentliche Entrüstung: Da brüstet sich doch tatsächlich der in Verruf geratene Immobilienriese, künftig nachhaltig zu agieren, ein weltweit führender Konzern will sich mit einer Umweltaktivistin schmücken, ein mittelständisches Unternehmen meint, dass ein E-Auto schon eine Pressemeldung wert ist! Und schon buht es von allen Seiten: Greenwashing – pfui!

Atmen wir doch stattdessen mal tief durch und bewerten die Maßnahmen anhand einer simplen Tatsache: Ist sie „nur ein Schritt“ oder ist es „ein erster Schritt“, dem weitere folgen? Konstruktiver als sofortige Häme ist die kritische Beobachtung, ob einer Aussage auch Taten folgen und ob eine Aktion weitere nach sich zieht, so dass wir anerkennen können: Greenwashing – hui!

Unternehmen sind per se eine träge Masse, die nicht per Knopfdruck auf komplett ökologisch umgekrempelt werden kann. Viele Kriterien wollen bedacht und die Belegschaft mitgenommen werden, es ist ein sukzessiver Prozess. Dass der oben genannte Großkonzern sich eine Aktivistin an Bord der Führungsriege wollte, war sicherlich kritisch zu hinterfragen. Aber ob ihr Blick durch die „grüne Brille“ zu echten Veränderungen hätte führen können oder es eben tatsächlich nur Augenwischerei gewesen wäre, das hätte nur die Zeit gezeigt.

In der neuen Trendstudie der Otto Group* heißt es dazu: „Als Unternehmen eine gesellschaftspolitische Haltung zu haben und zu kommunizieren ist riskant. Sie nicht zu haben ist verantwortungslos. Das gesellschaftliche Thema muss dem Unternehmen bzw. seinen Entscheidern wichtig genug sein, um langfristig für die Gesamtstrategie gültig und wirksam zu sein. Es erfordert, dass das Unternehmen die Konsequenzen seiner gesellschaftspolitischen Haltung auch im eigenen Unternehmen lebt.“

Grün, grün, grün wollen wir alle – wer nur grün wäscht aber nicht grün produziert und agiert, der wird am Markt verlieren. Aber wer will dann noch Buh rufen?

Link zur Trendstudie 2020 der Otto Group: https://www.ottogroup.com/de/verantwortung/Dokumente/Trendstudie-zum-ethischen-Konsum.php

TEXT: Claudia Klaft