Glossensprache: Führung muss Innovation aushalten

26.02.21 | Kommentar

Innovation benötigt Kreativität und Chaos. Das ist etwas, wofür die meisten Unternehmen aktuell weder Strukturen noch Raum geschaffen haben. Der Trend im Unternehmen bedient eher das operative Geschäft und wurde ausgefeilt in Richtung Controlling:

• Wer macht was zu welchem Zeitpunkt
• Wer wird wie durch wen informiert
• Wer kontrolliert wen bis wann

Eine derartige Struktur geht noch einen Schritt weiter: Der größte Teil der Mitarbeiter wird nach Stunden bezahlt, nicht nach Ergebnissen. Bedeutet eine klare Anwesenheitspflicht. Homeoffice
ist Vertrauenssache und hat sich längst noch nicht so durchgesetzt, wie es sein könnte.
Was für das operative Geschäft meist Vorteile bietet, ist für Innovation der Tod.

Derartige Strukturen machen Innovation unmöglich. Innovation braucht genau das Gegenteil von dem, was das Operative braucht. Innovation braucht die Freiheit kreativ werden zu können. Es
braucht die Möglichkeit sich inspirieren zu lassen und Dinge zu denken, zu planen und im Chaos zu versinken. Im Entwicklungsprozess ist Chaos als etwas Positives zu bewerten.

Denn hier erreichen kreative Prozesse meist immer ihren Durchbruch. Danach kommen erst die Struktur und die Klarheit. Im operativen Geschehen ein absolutes No-Go. Struktur, so wie wir sie aktuell erleben, schafft vermeintliche Sicherheit. Die ist im innovativen Prozess nicht gegeben. Dieser geht eher mit einem großen Risiko einher.

Doch viel größer ist das Risiko, sich langfristig Innovation zu entziehen: Augen zu und durch! Das ist schon Jahre lang gut gegangen, das wird auch weiter so sein. Dem müssen sich Führungskräfte jetzt stellen.

Führungskräfte müssen mit dem Widerspruch leben und sich diesem Dilemma immer wieder erneut widmen.

Das große Problem ist, dass eine Entweder- oder- Haltung besteht, die es nicht möglich macht, sowohl bestehende operative Prozesse (die für die aktuelle Liquidität sorgen müssen) als auch Innovationsprozesse bestehen zu lassen. Führungskräfte müssen erkennen, dass es sich hierbei nicht um ein Problem im Arbeitsprozess handelt, sondern um zwei Prozesse, die zwar völlig unterschiedlich, aber gleich gültig sind.

Das bedeutet, dass die Führungskraft eine Haltung von Sowohl-Als-Auch entwickeln und situativ entscheidungsstärker sein muss. Sie muss sich beider Seiten stets bewusst sein, Prozesse und
Herausforderungen so analysieren können, dass sie klar einer Seite zugeordnet werden können.

Die Wirkung, die entsteht – also positiv oder negativ – muss deutlich werden. Gleichzeitig geht es darum, die positiven Wirkungen zu nutzen und sich nicht an den Gründen für negative Wirkung aufzuhalten.
Warum nicht mit den negativen Wirkungen beschäftigen? Ganz einfach: Weil man meist in dem Dilemma vor einem unlösbaren Problem steht. Sich mit einer Lösung zu beschäftigen, wäre also vertane Zeit.

Sowohl-Als-Auch ist die Schlüssel-Haltung. Am Ende entsteht Innovation aus der bestehenden Fachkompetenz und der Kreativität – es wird wieder zusammengeführt:

Nach dem Chaos kommt die Klarheit.

TEXT: Stapelfux