Schon ganz wirr durch 1000 Führungstipps?

17.08.21 | Kommentar

Ob durch bewiesene Kompetenz, alte Seilschaft, glückliche Fügung, ob von der Pike aufgestiegen oder quer eingestiegen – oben angekommen stellst du fest: du bist noch nicht optimiert!

Plötzlich kommen Ratgeber aus allen Ecken und raunen: „Ooooh, du und Führen! Eieieiei, tja da wirst du es nicht einfach haben mit den Beschäftigten. Aber DAS LIEGT JA AN DIR! Komm, wir zeigen dir, was DU für GUTE FÜHRUNG brauchst!“ Sie sagen dir, was du alles können musst und wie du handeln solltest, damit du mit allem und jedem ein Erfolgsteam bilden kannst. Du müsstest nur:

ZUHÖREN: Öffne deine Türe, lade ein und nimm dir jederzeit Zeit. Sei ein nahbarer Mensch, freundlich und gut.

EMPATHISCH SEIN: Bügle alle deine Befindlichkeiten aus und zeige ausnahmslos volles Verständnis.

MOTIVIEREN, oh nein, das ist wieder out, ich meine BEGEISTERN: Sei selbst voll überzeugt von der tollen Firma, klatsche in deine Hände, klopf auf andere Schultern und rufe voller Inbrunst „Das lohnt sich echt, sich hier einzubringen und sein Bestes zu geben. Komm mach mit!“

FÖRDERE KOMPETENZEN: Ach, du brauchst jemanden für PR, aber der zuständige Mitarbeiter hat gerade sein Faible für Zahlen entdeckt? Fördere ihn und bringe das Personalkarussell in Schwung….

LOYAL HANDELN: Setze dich zwischen alle Stühle, damit du niemandem auf die Füße trittst.

WERTSCHÄTZEND KOMMUNIZERIEN: Alle sind toll, jeder einzelne, und Fehler können natürlich immer passieren, ist menschlich, auch wenn es ein paar Dollar kostet, man lernt ja daraus. Und wenn wir alle so reden, als hätten wir uns lieb, sind wir ein klasse unschlagbares Team.

ORIENTIERUNG GEBEN: Du kennst den Kurs durch dicke und dünne Auftragsbücher. Der Eisberg ist keine Gefahr, solange die Kapelle noch spielt. Kopf hoch, Beine fest auf den Boden und per Megaphon siegessicher verlauten „Da vorn ist unser Ziel“. Ist ja egal, wo vorne ist, Hauptsache du wirkst überzeugend.

…………die Liste ist lang…..

STOP******STOP******STOP!!! Weg mit dem Egoismus! Meine Güte, liebe Führungskraft, wenn du dir dermaßen darüber Gedanken machst, was du alles können musst und wie du handelt solltest, dann – bewusst überspitzt formuliert – leidet der Erfolg der Firma.

In jedem Betrieb arbeiten unterschiedlichste Menschen. Ob sie zufrieden ihre Arbeit verrichten und nur Geld verdienen oder sich im Kollegenkreis zuhause fühlen wollen oder sich gerne an der Chef-Seite sonnen – ist doch prima und legitim, wenn im Großen und Ganzen die Firma läuft. Sei nicht so eitel. DU MUSST NICHT VON ALLEN GELIEBT WERDEN!

Natürlich solltest du kein Blödmann, kein Biest sein, das über Leichen geht. Und natürlich ist es legitim und gut, sich von jemandem beraten zu lassen, der eine externe Brille aufsetzt und unterstützen kann. Aber statt sich ständig zu hinterfragen, sich zu verzetteln, an sich zu zweifeln und tausend Ratgeber zu konsultieren, könnte es vielleicht einfach mal reichen: In sich hineinhorchen, Erfahrungen mit anderen austauschen und als Mensch (bzw. eigene Persönlichkeit, mit der du an die Spitze gekommen bist) zu agieren?

Einfach Mensch sein, mit Stärken und Schwächen, mit schlechten und guten Tagen – und das auch den Beschäftigten respektvoll zugestehen. Bei Problemen tief durchatmen, aus dem Fenster gucken, sich fragen, ob das Problem wirklich groß ist, und so reagieren, dass der Tag trotzdem noch ein guter wird. Führen heißt nicht, persönlichen Frieden mit allen zu schließen, sondern den Laden fit zu machen für die Zukunft, damit all die unterschiedlichen Charakter, die mitkommen wollen, das auch können.

Meine Meinung. Gib mir gerne deinen Senf dazu 😊

Autorin: CLAUDIA KLAFT